Neues Gesicht, neue Chancen

Martin Geyer (36) ist seit 1. Januar 2026 MWG-Geschäftsführer. Nach Erwerb einer Banklizenz zur Führung unserer Spareinrichtung wird er Vorstand. Sein Vorgänger, Thomas Fischbeck, bleibt der MWG als nebenamtlicher Vorstand erhalten.

Herr Geyer, Sie waren technischer Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Eisenbahn Halle. Können Sie den MWG-Mitgliedern etwas mehr über sich erzählen? Martin Geyer: Ich bin in Sachsen-Anhalt geboren, in Gräfenhainichen aufgewachsen und habe in Bitterfeld das Abitur gemacht. Anschließend studierte ich in Berlin und Potsdam Bauwesen. 2015 legte ich darüber hinaus den geprüften Immobilienfachwirt ab. Nach dem Abschluss als Bauingenieur gründete ich ein Ingenieurbüro und bearbeitete vorrangig Denkmalschutzprojekte. Nach fünf Jahren wechselte ich als Vorstand in die WG Eisenbahn Halle. In meinen acht Jahren dort konnte ich u. a. ein aufwändiges Bebauungsplanverfahren in Halle und die größte Nachwende-Investition der Genossenschaft umsetzen. Dabei handelte es sich um die Komplexmodernisierung eines Wohnhochhauses.

Was war Ihre Motivation, sich bei der MWG für die Vorstandsfunktion zu bewerben? Martin Geyer: Mich reizten die Möglichkeiten, die die MWG als größte Genossenschaft des Landes bietet. In einem solchen Unternehmen kann man eigene Fähigkeiten und Kompetenzen in besonderer Weise einbringen. Aber Hand aufs Herz: Ich hatte nicht damit gerechnet, dass man mir tatsächlich diese Chance gibt. Umso größer die Freude über den Vertrauensvorschuss und umso höher auch meine Motivation, hier etwas zu bewegen. Wenn man die Möglichkeit bekommt, eine Genossenschaft wie die MWG anzuführen, dann ist das wie ein Fünfer im Lotto.

Wofür möchten Sie stehen: Das erreichte Niveau in schwierigen Zeiten zu bewahren oder weiter neue Projekte anzugehen? Martin Geyer: Bewahrung klingt nach Stillstand – und der ist nie gut. Weiter mutig und mit Augenmaß in Neubau und Bestand zu investieren, halte ich für zukunftsfähiger, als sich mit beruhigend hohen Rücklagen in Sicherheit zu wiegen. Ich für meinen Teil möchte die beeindruckende Projektentwicklung fortsetzen. Ein Player wie die MWG hat ja auch Verantwortung für die Stadtentwicklung. Allerdings möchte ich gern bei den Baustoffen mit Traditionen brechen.

Was meinen Sie damit: Mehr Verbundstoffe aus dem Chemielabor? Martin Geyer: Eher das Gegenteil. Ich lege als Bauingenieur Wert auf eine ganzheitliche Betrachtung des Lebenszyklus eines Gebäudes. Ich frage mich immer: Was geschieht danach mit den Baustoffen? Sehen Sie, wenn man Styropor mit Plastik und Silikatputz verbindet, dann bekommt man das nie wieder auseinander – es wird zum Sondermüll. Nutzt man aber Baustoffe wie Holz, Lehm oder z. B. Fassaden aus Metall, dann kann man diese Baustoffe auch nach dem Lebenszyklus des Gebäudes wieder oder anders verwenden.

Sie haben im Bewerbungsverfahren deutlich gemacht, der Künstlichen Intelligenz (KI) gegenüber sehr aufgeschlossen zu sein. Experten sind sicher, dass KI in fünf, spätestens in zehn Jahren die Welt erobert hat. Martin Geyer: Das glaube ich auch. KI wird unser Leben völlig verändern. Ich bin zwar kein Computernerd, aber neugierig und interessiert an neuen technischen Möglichkeiten. Es gibt auch ein erstes kleines Projekt, das ich schon mal begonnen habe. Die MWG muss auch bei KI-Anwendungen Vorreiter sein.

Foto: Stefan Deutsch